Fettabsaugung und andere operative Verfahren

Mehr als 250.000 Eingriffe jährlich allein in Deutschland zeigen, dass Eingriffe der plastischen Chirurgie vielfach von Patienten in Anspruch genommen und geschätzt werden. Und die Tendenz steigt. Bei vielen Patienten, die derartige Eingriffe vornehmen lassen, handelt es sich um übergewichtige Personen, die mit diätischen Maßnahmen über viele Jahre, teils sogar Jahrzehnte, erfolglos geblieben sind.

Patienten, die mit dem Gedanken spielen, sich durch operative Maßnahmen helfen lassen zu wollen, sind über Vor- und Nachteile sowie über Risiken, die mit den Eingriffen einhergehen, oft nicht ausreichend informiert. Wir wollen uns im Folgenden auf die Fettabsaugung am Bauch und die Fettabsaugung am Oberschenkel beschränken und Dir einen nützlichen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Fettabsaugung geben. Auch die Risiken und Nebenwirkungen der bekannten Eingriffe lassen wir dabei nicht außen vor, um Dich möglichst umfassend und beratend zu informieren. Doch eins sollte Dir gleich zu Anfang klar sein: Ob ein operativer Eingriff bei Dir indiziert ist, vermag dieser Text nicht klären. Ebensowenig ersetzt er das Beratungsgespräch durch einen Arzt.

Fettabsaugung an Bauch und Oberschenkel: Ursachen für Übergewicht sind unterschiedlich

Die Ursachen für übermäßiges Bauchfett sind unterschiedlich. Während Frauen z.B. nach einer Schwangerschaft über eine derartige Problematik klagen, ist es bei Männern meist die Lebensführung und die mit ihr einhergehende ungesunde Form der Ernährung, die langfristig dazu führt, dass sich Fettansammlungen am Bauch bilden. Natürlich darf neben dem Aspekt der falschen Ernährung auch die mangelnde Bewegung als separater Punkt nicht unangesprochen bleiben. Sportwissenschaftler und Mediziner stimmen überein, wenn sie behaupten, dass schon 20 Minuten körperliche Aktivität pro Tag das Problem des Übergewichts bei vielen Menschen nachhaltig in den Griff bekommen könnten. Bei Frauen neben dem Bauch häufig betroffene Körperregionen sind die Beine. So ist es zu erklären, dass – während die Fettabsaugung am Bauch von beiden Geschlechtern gleichermaßen in Anspruch genommen wird – bei Frauen besonders die Fettabsaugung am Oberschenkel ein häufig praktizierter Eingriff ist. Fettabsaugen kann per se aber auch noch an anderen Körperstellen als Eingriff durchgeführt werden.

Häufig nachgefragte Körperpartien bei der Fettabsaugung sind:

  • Bauch
  • Oberschenkel
  • Taille
  • Halsbereich
  • Fesseln
  • Knie
  • Gesäß
  • Waden

In der Tat ist das Fettabsaugen als operativer Eingriff eine sehr erfolgversprechende Methode, um schwerwiegende Fett-Problemzonen nachhaltig zu beseitigen. Doch der Eingriff ist nicht bei jeder Person durchführbar und auch die Aufklärung ist ein wichtiger Punkt, der viele Menschen tatsächlich noch einmal zum Umdenken bewegt – das zeigt die Praxis. Wieso das so ist, liest Du im Folgenden…

Fettabsaugung: Für wen sind operative Verfahren geeignet?

Die Frage in der Überschrift suggeriert bereits, dass Fettabsaugen nicht für jeden in Frage kommt. Ganz wichtig ist es zu wissen, dass das Fettabsaugen keine Alternative zum Abnehmen darstellt. Einige Patienten, die sich schon viele Jahre mit extremem Übergewicht rumquälen, glauben, eine Fettabsaugung entbände sie von jeglichen sportlichen Verpflichtungen. Dies ist natürlich ganz und gar nicht der Fall. Außerdem solltest Du wissen, dass Sport per se natürlich nicht nur Deiner Figur zu Gute kommt, sondern auch für das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel enorm wichtig ist. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Fettabsaugen auch nicht der letzte Ausweg für besonders schwerwiegende Fälle von Übergewicht:
Ärzte weisen viele Patienten, die sich für eine Fettabsaugung entschieden haben, zunächst dazu an, Gewicht zu verlieren, bevor der eigentliche Eingriff überhaupt durchgeführt werden kann. Maximal können nämlich nur ca. 5 bis 6 Liter Fettgewebe abgesaugt werden. Dazu sind bei schweren Fällen Vorab-Eingriffe, wie zum Beispiel eine Magenverkleinerung bzw. das Anbringen eines Magenbands oder Magenballons notwendig, damit die stark übergewichtige Personen die präoperative Gewichtsreduktion überhaupt realisieren können. Bei stark übergewichtigen Frauen ist die Erfolgsquote in Bezug auf die sogenannten bariatrischen Eingriffen, zu denen die Magenverkleinerungen und das Magenband gehören, sogar so hoch, dass zahlreiche weibliche Patienten, langfristig sogar ganz auf das Fettabsaugen verzichten können, weil Sie allein durch den bariatrischen Eingriffe ausreichend große Erfolge haben verzeichnen können.

Welche Methoden der Fettabsaugung gibt es?

Beim Fettabsaugen gibt es unterschiedliche Methoden, die jede für sich unterschiedliche Risiken und Nebenwirkungen aufweist. Gleichzeitig ist auch nicht jede der Methoden für jeden Patiententypus geeignet.

Diese generellen Methoden der Fettabsaugung sind etabliert:

  • Basic-Methode
  • Tumeszenz-Methode
  • Supernass-Methode

Die genannten Methoden haben gemeinsam, dass sie als operative Maßnahme meist unter Vollnarkose durchgeführt werden, obgleich leichte Eingriffe im Rahmen der Basic- und Tumeszenz-Methode auch unter lokaler Betäubung durchführbar sind. Das Prinzip ist bei den genannten Methoden sehr ähnlich. Zunächst wird den Patienten eine Flüssigkeit injiziert, welche das Ziel verfolgt, die Fettzellen von den restlichen Gewebezellen zu isolieren. Anschließend werden die isolierten Fettzellen abgesaugt.
Während die Flüssigkeit bei der klassischen Basic-Methode den Zweck erfüllt, die Gefäße zu schließen und etwaige Blutungen beim Absaugen des Fetts zu stillen, wird im Rahmen der Tumeszenz-Methode deutlich mehr Flüssigkeit injiziert, ua. auch eine physiologische Kochsalzlösung mit einem Betäubungsmittel, das lokal an denjenigen Stellen wirken soll, an denen der Eingriff durchgeführt wird. Die im Verhältnis zum Fettgewebe 3:1 injizierte Flüssigkeit wird anschließend zusammen mit den gelösten Fettzellen abgesaugt. Die Tumeszenz-Methode eignet sich besonders für Patienten, bei denen viel Fettgewebe an nur einer Stelle abgesaugt werden soll. Das Betäubungsmittel wirkt lokal auch noch nach der Operation und lindert so den postoperativen Schmerz maßgeblich.
Die letzte Variante, die Supernass-Methode, funktioniert ebenfalls nicht großartig anders. Allerdings wird nur soviel Flüssigkeit im Rahmen des Eingriffs injiziert, wie anschließend auch Fett abgesaugt werden soll. Diese Methode wird meist bei kleinen Eingriffen im Rahmen geringer Volumina an Fettgewebe gewählt.

Modifizierungen und Variationen der Verfahren

Viele der Fachpraxen und Fachkliniken verfügen schon über neue Techniken, die das Fettabsaugen modifizieren und für den Patienten angenehmer gestalten sollen. Ziel ist eine individuell bessere Verträglichkeit des Eingriffs und eine Minimierung der Schmerzbelastung in der ersten Zeit nach dem Eingriff. Im Rahmen der Modifizierungen kennen wir vier häufige Varianten bzw. „Verbesserungen“ der oben genannten Verfahren des Fettabsaugens. All diese Verfahren finden sowohl für die Fettabsaugung am Bauch als auch für die Fettabsaugung am Oberschenkel Anwendung.

Modifizierungen der etablierten Verfahren durch:

  • Ultraschall
  • Tulip
  • Lipopulsing
  • Feintunnelung

Utraschall:
Die Verwendung einer speziellen Ultraschallkanüle, die das Fettgewebe zerstört und quasi verflüssigt, soll das Absaugen des Fettes vereinfachen bzw. angenehmer für den Patienten gestalten. Diese Modifizierung wird im Rahmen der Basic-Methode angewandt.

Tulip:
Das Tulip-System bezieht sich auf eine Modifizierung im Vorgang des Absaugens der Fettzellen. Mit Hilfe einer speziellen Spritze wird ein Unterdruck erzeugt. So kann das Fettgewebe einfacher und – wie viele Patienten berichten – schmerzfreier geschehen. In allen verbleibenden Punkten entspricht das weitere Vorgehen dem klassischen Procedere, das im Zusammenhang mit der Basic-Methode bereits erläutert worden ist.

Lipopulsing:
Bei dieser Variation des Fettabsaugens wird das abzusaugende Fettgewebe im Vorfeld mit Hilfe von elektronischen Impulsen gelöst. Dies geschieht mit Hilfe von ultrafeinen Kanülen, die hochfrequente aber nur schwach energetische, elektronische Impulse in das Fettgewebe übertragen. Die Zellwände der Fettzellen können auf diese Weise zerstört werden und den Prozess des Absaugens deutlich erleichtern.

Feintunnelung
Auch bei diesem Verfahren kommen ultrafeine Kanülen im Fächerformat zum Einsatz. Sie werden gleichzeitig in das Fettgewebe eingeführt und lösen die Fettzellen durch extrem hochfrequente Rüttelungen. Die Kanülen bewegen sich bis zu 8000-Mal pro Sekunde und können somit das Fettgewebe punktgenau bis unmittelbar unter die Hautoberfläche lösen.

Besonders schonende Verfahren: Injektions-Lipolyse (Fett weg Spritze) und Laser-Lipolyse

Die Injektions- und Laser-Lipolyse gelten als besonders schonende Verfahren. Wie der Name der Laser-Lipolyse bereits vermuten lässt, wird das Fettgewebe bei diesem Verfahren durch einen hochenergetischen Laserstrahl verflüssigt, um anschließend einfach und unkompliziert abgesaugt werden zu können. Bei der Injektions-Lipolyse, die auch als Fett weg Spritze bekannt ist, wird eine fettlösende Substanz in das Fettgewebe injiziert. Mit Absaugen hat diese Methode eigentlich gar nicht mehr viel zu tun: Das durch die Substanz vom Bindegewebe gelöste Fett soll anschließend durch körpereigene Stoffwechselprozesse über das Lymphsystem abtransportiert werden. In der Regel sind zwei bis vier Sitzungen nötig, um die jeweiligen Körperregionen zu behandeln. Die Behandlung mit der Fett weg Spritze kann ambulant durchgeführt werden. Oftmals reicht bereits eine leichte, örtliche Betäubung oder gar betäubende Salben, um den Eingriff für den Patienten weitestgehend schmerzfrei durchzuführen.

Welche Gefahren birgt die Fettabsaugung an Bauch und Oberschenkel?

Wie jeder operative Eingriff, so birgt natürlich auch das Fettabsaugen seine speziellen Gefahren und Risiken, die in jedem Fall mit einem Mediziner im Vorfeld einer Behandlung erörtert werden sollten. Da es sich beim Fettabsaugen um einen verhältnismäßig häufig durchgeführten Eingriff handelt, ist letzterer natürlich dementsprechend bewährt und erprobt. Dies gilt insbesondere, wenn die Absaugvolumina 2 Liter nicht überschreiten. Eine Gefahr besteht in potentiellen Unverträglichkeitsreaktionen auf die injizierten Substanzen. Einige Patienten klagen nach dem Eingriff über sogenannte Keloiden. Dabei handelt es sich um schmerzendes Narbengewebe, dass sich auch unter der Haut befinden und eigentümliche Eindellungen der Haut hervorrufen kann. Auch Thromben sind grundsätzlich nicht ausgeschossen, weshalb die Ärzte von langem Sitzen abraten und empfehlen, in der ersten Zeit nach dem Eingriff Kompressionskleidung zu tragen. In seltenen Fällen können Durchblutungsstörungen auftreten, die mit Taubheitsgefühlen einhergehen. Auch wenn diese Nebenwirkungen in der Regel schnell wieder verschwinden, kann es in seltenen Fällen zu irreversiblen Nervenschädigungen kommen, die dann zu einem chronischen Taubheitsgefühl bzw. einem chronischen Kribbeln führen. Untersuchungen und Befragungen ehemaliger Patienten haben außerdem gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich die Patienten nicht auf dem Erfolg eines operativen Eingriffes ausruhen. Wer seine Lebensführung nicht optimiert, kein Sport treibt und die Ernährung langfristig nicht umstellt, läuft der Gefahr, dass das Fett schneller zurückkehrt als man es für möglich halten könnte. Auch für die plastischen Chirurgen war diese Erkenntnis zunächst mehr als überraschend, hatte man doch vermutet, dass man bereits alles über Fettabsaugung in Erfahrung gebracht hatte! Doch entgegen aller Erwartungen hat es sich in einer Vielzahl von Fällen ereignet, dass das Fett auch nach der Fettabsaugung zurückgekehrt ist. Zwar nicht an denjenigen Stellen, wo zuvor der Eingriff der Fettabsaugung durchgeführt worden ist (hier sind die Fettzellen ja entfernt worden), sondern an anderen Körperpartien, wo das Fettgewebe aber leider nicht weniger große kosmetische Probleme verursacht. Da viele Patienten über diese potentielle Fettumverteilung im Stoffwechseln bei zu wenig Bewegung und falscher Ernährung nicht hinreichend informiert werden, ist die Erwähnung dieses Risikos an dieser Stelle besonders wichtig! Wenn Du also nicht aufpasst, kann an dem Satz „Fettabsaugen macht Fett“ tatsächlich etwas dran sein.
Um diese und andere etwaige Risiken bei der Fettabsaugung am Bauch bzw. bei der Fettabsaugung am Oberschenkel so gering wie möglich zu halten, ist eine kompetente Beratung im Vorfeld so wichtig. Ferner können Dir auch Illusionen genommen werden, indem der Mediziner Dir als Patient genau erklärt, was überhaupt im Bereich des medizinisch Machbaren ist. Patienten, die im Vorfeld eine völlig andere Vorstellung hatten, entscheiden sich nach einem derartigen Gespräch nicht selten wieder um und versuchen erst einmal konservative Methoden, um dem Gewichtsproblem entgegen zu wirken – zu ihrem eigenen Erstaunen häufig sogar erfolgreich!

Mögliche Gefahren beim Fettabsaugen auf einen Blick:

  • Durchblutungsstörungen
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln
  • Narbenbildung (Keloiden); selten: Hauteindellungen
  • sehr selten: Thrombose
  • Wundheilungsstörungen
  • Fettumverteilung bei nicht angepasster Lebensweise

Kosten für eine Fettabsaugung

Die Kosten für eine Fettabsaugung an Bauch und Oberschenkel oder auch anderen Körperregionen schwanken enorm. Je nach Praxis, Region und Technik bewegen sich die Preise zwischen 1500 und 6000 Euro. Aber es spielen auch noch andere Komponenten in den effektiven Endpreis einer derartigen Behandlung hinein:

  • Anzahl der zu behandelnden Körperpartien
  • Volumen der abzusaugenden Fettmasse
  • gewünschte Behandlungsmethode und medizinische Gerätschaft
  • regionale Preistendenzen
  • individuelle Honorarvorstellungen des medizinischen Personals

Ein Vergleich der Kosten für eine Fettabsaugung an Bauch oder Oberschenkel lohnt sich in jedem Fall: Ein großer Teil der Kosten für die Fettabsaugung bedingt sich nämlich durch das ärztliche Honorar. Auch regionale Unterschiede führen dazu, dass Du Dir ein nicht unerhebliches Einsparpotential sichern kannst, wenn Du vorab überregional suchst und vergleichst. Achte beim Vergleichen der Preise besonders darauf, dass Du jeweils die gleichen Methoden der Behandlung miteinander vergleichst. Nur so erhältst du ein repräsentatives Bild der günstigsten Angebote.

Bild stammt von Martin Büdenbender – pixelio.de